Von John J. Mosesso, NBII - http://images.nbii.gov/details.php?id=19079&cat=Reptiles, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5061288

EU-Verbotsliste zu invasiven Arten

Von H. Zell - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11747854Mit der ersten EU-Verbotsliste von invasiven Arten schwingt nun das EU-Parlament die Gesetzes-Keule ohne Rücksicht und genauere Untersuchungen…
Die am 13.07.2016 erschienene Liste ((EU) 2016/1141) der EU-Kommission beinhaltet 37 invasive Tier- und Pflanzenarten, deren „Erwerb und Weitergabe, Haltung, Nachzucht und das Freisetzten in die Natur“ mit sofortiger Wirkung VERBIETEN!

Auch die Terrarisik ist davon betroffen!Gelbwangen-Schmuckschildkröte_2

Halter von Schmuckschildkröten, wie etwa Gelbwangen- (Trachemys scripta scripta), Rotwangen- (Trachemys scripta elegans) oder Cumberlandschmuckschildkröten (Trachemys scripta troostii), sind von dieser Regelung genauso betroffen wie die Halter von Ochsenfröschen (Lithobates catesbeianus)!

Die neue und erste Liste dieser Form basiert auf einer EU-Verordnung von 2014 (1143/2014) in der Regelungen über die „Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten“ getroffen worden, und ist somit nun das Instrument der Gesetzesdurchführung.

Inwieweit Gelbwangen- und Rotwangenschmuckschildkröten hierzulande „invasiv“ sind lässt sich bestimmt streiten. Allerdings hätten intensive Gespräche mit Wissenschaftlern und Naturschutzorganisationen etc. eine solch überzogene Liste bestimmt verhindert.
Betrachtet man mal dass es zwar zahlreiche Vorkommen von Schmuckschildkröten hierzulande gibt, diese aber aufgrund unseres Klimas (trotz Klimaerwärmung) nicht verpaaren und sich nur in stadtnahen Gewässern aufhalten, kann man wohl kaum von „invasiv“ reden!
Sicherlich sind diese Arten hier gebietsfremd, allerdings darf man nicht außer Betracht lassen dass wohl so gut wie jede Tier- und Planzenart mal „gebietsfremd“ war und erst durch teils natur-CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1079191bedingte, teils durch menschlich-bedingte Umstände angesiedelt wurden.
Solange es keine ernstzunehmende Gefahr durch invasives Verhalten zu befürchten ist, ist eine solche Verbotsliste das falsche und überzogene Instrument um hiergegen zu agieren!
Zudem stellt sich die Frage warum ein generelles EU-Verbot eingeführt wird ohne zu betrachten, dass einige Länder, Länder in denen diese Problematik wirklich existent ist, schon eigene und wirksame Schutzmaßnahmen in Form von Gesetzten und Projekten beschlossen haben?

Geholfen ist mit einem solchen Verbot weder Flora&Fauna, noch verantwortungsvollen Haltern, Zoos, Auffangstationen oder Tierheimen!

Im Gegenteil:
Jedes gepflegte Tier ist nun nach dem Gesetz „illegal“!
Natürlich gibt es Regelungen für derzeitige Bestände allerdings sind diese, nach den Vorstellungen der EU, weder umsetzbar noch finanzierbar! Mit dieser neuen Verordnung werden alle Halter von diesen Tier- und Pflanzenarten, egal ob privat, gewerblich oder ehrenamtlich, vor neue Probleme gestellt.
Nach der neuen Vorschrift müssten sie nun alle Tiere nach Geschlechtern trennen, dürfen sie nicht mehr im Teich halten, nicht mehr Transportieren (z.B. zum Tierarzt) und müssten „ausbruchssicher verwahrt“ werden (so wie z.B. Gefahrtiere).
Auffangstationen werden überflutet mit Abgabetieren von verunsicherten Haltern und dürfen allerdings im Gegenzug die Tiere auch nicht mehr Vermitteln.
Zoos und ähnliche Einrichtungen können ihrem Bildungsauftrag nicht mehr nachkommen.

Somit ist diese Liste weder mit Artgerechter Haltung konform noch von öffentlichen Einrichtungen (Auffangstationen und Tierheimen) finanzierbar!

Um die Problematik konstruktiv zu bearbeiten sollte die EU-Kommission eher ein flächendeckendes Netzwerk von Fachleuten etablieren und mehr in Naturschutz- und Aufklärungsarbeit investieren anstatt die „Gesetzeskeule“ zu schwingen!!

Zu den Folgen bei Verstoß gegen diese neue Verordnung ist sich die EU im übrigen noch nicht ganz sicher wie dieser geahndet werden soll. Lediglich von „geeigneten Maßnahmen“ ist zu lesen.
Was nun auch wieder die Frage stellt: Wer setzt diese Verordnung durch?!
Hoffnungslos überforderte Veterinärämter? Oder soll gar die Polizei oder der Zoll bei einer Kontrolle diese Arten erkennen? Und wer bildet diese aus, und wer finanziert das alles?

Es ist durchaus ersichtlich dass diese Verordnung nicht sachlich durchdacht ist und wir von La‘ Terrardo fordern eine Revidierung dieser Verordnung!

Die vollständige Liste findet Ihr unter www.bfn.de

In diesem Sinne

euer Team von
La‘ Terrardo